Vielfalt „dualer“ Studienkonzepte: Erfolgreicher Workshop zu praxisintegrierten Studiengängen

///Vielfalt „dualer“ Studienkonzepte: Erfolgreicher Workshop zu praxisintegrierten Studiengängen

Vielfalt „dualer“ Studienkonzepte: Erfolgreicher Workshop zu praxisintegrierten Studiengängen

Die deutsche Hochschullandschaft zeichnet sich aktuell durch eine steigende Anzahl praxisorientierter Studiengänge aus, die in ihrem jeweiligen dualen Konzept eine beachtliche Heterogenität aufweisen. Dieser vor allem an den Fachhochschulen zu beobachtenden Tendenz widmete sich der jüngste AQAS-Workshop und fragte danach, wie praxisintegrierte Studiengänge nicht nur erfolgreich realisiert werden, sondern wie diese Studiengangsmodelle als Erfolgskonzepte von Hochschulen fungieren können? Dabei, so hob Ulrich Rückmann (AQAS) eingangs hervor, ist die Bezeichnung des “Dualen” eine wenig spezifische Modellcharakterisierung: Handelt es sich um ausbildungsintegrierende oder ausbildungsbegleitende Studienprogramme? Sind sie berufsintegrierend oder berufsbegleitend? Zumal solche Studiengänge noch ergänzt werden durch kooperative, im Verbundstudium oder mit vertiefter Praxis gestaltete Programme. Ulrich Rückmann wies darauf hin, dass es zukünftig immer wichtiger werde, den Blick dafür zu schärfen, auf welche Weise die Studienprogramme die Verbindung von Theorie und Praxis tatsächlich umsetzen, weil diese Vernetzung den tatsächlichen Mehrwert dualer Studiengängen darstellt.

Diverse Fallbeispiele, wie praxisintegrierte Studienprogramme erfolgreich gestaltet werden können, aber auch, worin deren Schwierigkeiten bestehen, tauschten sich nicht nur die knapp 20 Teilnehmer/inn/en des Workshops am 2. Juni 2016 in Köln aus, sondern diese Vielfalt konnten auch die eingeladenen Referenten anschaulich ergänzen: Dr. Ulrich Hoffmeister von der IHK Lübeck erläuterte aus Perspektive der Praxispartner, worin die Chancen und Herausforderungen einer konsequenten Verzahnung von Theorie und Praxis an zwei unterschiedlichen Lernorten bestehen. Dabei hob er insbesondere auf die Empfehlungen “Qualitätssicherung und Akkreditierung dualer Studiengänge” ab, die im März 2015 auf dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag erarbeitet wurden. Im Anschluss hieran gewährte Johannes Haas vom Institut für Angewandte Produktionswissenschaften der Fachhochschule Joanneum Graz einen Einblick in das österreichische System und beschrieb beispielhaft, wie “Cooperative and Work Integrated Higher Education” einen vollständigen Lernzyklus gewährleistet und die enge Verknüpfung der Praktika in das Curriculum und die Didaktik erfolgen können. Schließlich stellte Monika Bergmann von der Hochschule Ludwigshafen am Rhein den Studiengang “Gesundheitsökonomie im Praxisverbund” vor, mit dem in verschiedenen Modellen unterschiedliche Studienvarianten und Ausbildungswege realisiert werden. Bezüglich der Kooperation mit über 40 Praxispartnern wies sie insbesondere auf den besonderen organisatorischen Aufwand hin, der für den Erfolg und die Qualitätssicherung des Studiengangskonzepts benötigt wird.

Anknüpfend hieran waren sich die Teilnehmer/innen einig bei den typischen Problemen und Spannungsfeldern, die bei dualen Studiengängen entstehen: Zwar soll die Vielfalt an Modellen zur Ausgestaltung von dualen Studiengängen erhalten bleiben, aber es bestand Einigkeit, dass der Begriff “Dualer Studiengang” im Sinne eines Verbraucherschutzes korrekt verwandt werden sollte und damit nicht jeder Studiengang bezeichnet werden sollte, der Praxisphasen integriert. Eine weitere Herausforderung der Hochschulen wurde darin gesehen, dem Anspruch einer inhaltlichen Verknüpfung von theoretischen und praktischen Studiengangselementen gerecht zu werden und gleichzeitig diese mit nur beschränkt vorhandenen Ressourcen zu realisieren. Die Teilnehmer/innen diskutierten folglich die Frage, inwieweit der hohe Koordinationsaufwand für duale Studienangebote aufgefangen werden kann, indem Firmen an den Kosten für Koordinationsstellen beteiligt werden.

Unabhängig vom jeweiligen Modell des Studiengangs wurde in der Diskussion deutlich, dass duale Studiengänge immer damit konfrontiert sind, die Interessen von Betrieben, Studierenden und Hochschule austarieren zu müssen. Entsprechend werden als typische Konflikte auch die unsichere Planungssicherheit der Hochschulen z. B. bei Umstrukturierungen der Kooperationspartner oder die Schwierigkeit zur internationalen Mobilität der Studierenden beschrieben. Ein weiteres zentrales Problem wurde ferner in der Anerkennung von und der Qualitätssicherung in den Praxisstellen erörtert.

Die Teilnehmer/innen stellten jedoch auch klar, dass in praxisintegrierten Studiengängen auffällig viele motivierte Studierende anzutreffen sind und entsprechend positiv die Absolventenzahlen zu bewerten seien. In solchen optimalen Fällen, so die Diskussionsteilnehmer/innen, können sich duale Studiengangskonzepte zu kleinen Innovationszentren entwickeln, die aufgrund des spezifischen Praxisbezugs über den Hochschulstandort hinaus ausstrahlen.

2016-06-15T16:15:41+00:00 3. Juni 2016|Vergangene Veranstaltungen|