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Internationales

Internationale Akkreditierungen

veröffentlicht am 24. Juni 2010 in Internationales

Bei allen Diskussionen über die Umsetzung des Bologna-Prozesses in Deutschland darf nicht vergessen werden, dass es sich beim Bologna-Prozesses um eine gesamteuropäische Entwicklung handelt, die zudem auch weltweit beobachtet wird und Reaktionen auslöst. Eines der Ziele des Prozesses, nämlich die Internationalisierung der Hochschulausbildung zu stärken, ist auch ein zentrales Anliegen der Akkreditierungsagentur AQAS. Dabei sind wir zum einen bestrebt, deutsche Hochschulen bei der Akkreditierung internationaler Studiengänge zu unterstützen, und zum anderen, auch ausländischen Bildungsträgern Verfahren zur Bewertung und Sicherung der Qualität ihrer Ausbildung anzubieten.

Angebote unter Beteiligung deutscher Hochschulen:

Die steigende Anzahl an sogenannten Joint-Degree- oder Double-Degree-Studienprogrammen in Deutschland, bei denen Studierende in zwei oder mehr Ländern ein Studium absolvieren können, macht es erforderlich, dass die Hochschulen die Qualität der Ausbildung überprüfen lassen. Um die Vorgehensweise und die Standards bei der Begutachtung zu vereinheitlichen, hat der deutsche Akkreditierungsrat (AR) im Jahr 2009 einen Beschluss gefasst. Während im alten Beschluss von 2004 noch das Leitprinzip der Anerkennung der Diversität der Ansätze in den verschiedenen Ländern betont wurde, wird nach der neuen Beschlusslage darauf verwiesen, dass der gesamte Studiengang, also auch die Teile, die an den ausländischen Partnerhochschulen angeboten werden, den Kriterien der Kultusministerkonferenz und des Akkreditierungsrates entsprechen muss. Ausnahmen, die sich aus nationalen Gepflogenheiten ergeben, müssen vom Akkreditierungsrat einzeln geprüft und genehmigt werden. Grundsätzlich müssen die Standorte aller beteiligten Institutionen begangen werden. Sind mehr als zwei Hochschulen beteiligt, kann u.U. auf eine Begehung aller Standorte verzichtet werden, wenn Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Hochschulen an den Gesprächen teilnehmen. Aus Sicht von AQAS, die als Agentur an die Vorgaben des AR gebunden ist, werden durch die neuen Regelungen die Akkreditierungsverfahren für deutsche Hochschulen deutlich aufwändiger.

AQAS hat schon in mehreren Verfahren die internationalen Studiengänge gemeinsam mit der jeweiligen nationalen Akkreditierungsagentur des entsprechenden Landes akkreditiert. Für die Ausgestaltung der Zusammenarbeit der Agenturen hat der Akkreditierungsrat jetzt Detailvorgaben entwickelt (s. Beschluss AR).

Mittelfristig haben sich die europäischen Akkreditierungsagenturen das Ziel gesetzt, die Verfahren so auszugestalten, dass nationale Akkreditierungsentscheidungen in allen Unterzeichnerstaaten der Bologna-Erklärung und möglichst darüber hinaus anerkannt werden. Dazu wurden im europäischen Kontext Initiativen gestartet, um eine Abstimmung der Vorgehensweise der europäischen Agenturen und eine Reduzierung des Aufwands der Hochschulen in diesen Verfahren zu erreichen. Erste Ergebnisse des vom European Consortium for Accreditation (ECA) initiierten Projekts werden im Mitte 2010 erwartet.

Angebote für Projekte an ausländischen Bildungseinrichtungen:

An ausländischen Hochschulen innerhalb und außerhalb Europas führt AQAS auf Wunsch Beratungsprojekte oder Akkreditierungsverfahren durch. Allerdings kann für diese Studienprogramme nicht das Siegel des Akkreditierungsrates vergeben werden. AQAS hat in den letzten Jahren eine Vielzahl an Erfahrungen im Ausland sammeln können (s. Referenzen).

Aufgrund der Komplexität von internationalen Projekten und heterogenen Studienangeboten, möchten wir Sie bitten, sich direkt an AQAS zu wenden, um sich über Anforderungen und Möglichkeiten zur Durchführung von Verfahren zu informieren. Sie können sich in der Geschäftsstelle von AQAS kostenlos beraten lassen.

AQAS wird im Oktober 2010 einen Workshop zu internationalen Studiengängen veranstalten, um die Hochschulen über Anforderungen an die Akkreditierung zu informieren.

Ihr Ansprechparter ist:

 Volker Husberg, M.A.

Volker Husberg, M.A.
Referent
Telefon 0228 / 90 960-13
Mobil 0170 / 579 65-38
husberg[at]aqas.de

Was kennzeichnet internationale Studiengänge?

Typische Kennzeichen für gemeinsame Studiengänge sind laut der EUA (European University Association) z.B.:

  • Studiengänge werden gemeinsam von mehreren Institutionen entwickelt oder anerkannt
  • Studierende nehmen Teile des Programms an mehreren Institutionen wahr (nicht notwendigerweise an allen)
  • Aufenthalt der Studierenden an den verschiedenen Institutionen stellt einen substantiellen Anteil am Studiengang dar
  • Studienzeiten und Studieninhalte/Prüfungen an den beteiligten Institutionen werden automatisch anerkannt
  • Die Partnerinstitutionen entwickeln das Curriculum gemeinsam und kooperieren bei Zulassung und den Prüfungen.

Internationale Studiengänge werden als joint degree-Programme oder als double degree-Programme angeboten, allerdings ist die Unterscheidung nicht immer trennscharf möglich:

  • Die beteiligten Hochschulen vergeben einen gemeinsamen Abschluss. Es gibt eine Abschlussurkunde = joint degree.
  • Die beteiligten Hochschulen vergeben nationale Abschlüsse. Jede Hochschule vergibt eine Abschlussurkunde = double degree.

Aufgrund der Vielzahl an internationalen Akteuren und der Heterogenität von den jeweiligen nationalen Bildungssystemen kann die Konzeption von kooperativen Studiengängen jedoch sehr stark variieren. Unabhängig vom Typus müssen sich alle Studiengänge akkreditieren lassen.

Welche Anforderungen werden an die Akkreditierung gestellt?

Für die Durchführung eines Studiengangs ist in Deutschland das Siegel des Akkreditierungsrates erforderlich, das gilt auch für internationale Studiengänge. Die Rahmenbedingungen für die Akkreditierung von Studiengängen in Deutschland werden durch folgende Institutionen festgelegt: die KMK, den Akkreditierungsrat (AR) und die Gesetzgebung der einzelnen Bundesländer. Für internationale Studiengänge gelten bei der Akkreditierung dieselben Anforderungen wie für nationale Studiengänge.

Abhängig von den jeweiligen nationalen Regelung für die Durchführung der Verfahren zur Qualitätssicherung, die in vielen Ländern auch mit rechtlichen Konsequenzen verbunden sind, bestehen unterschiedliche Optionen zur Ausgestaltung von Akkreditierungsverfahren. Entweder kann jede der beteiligten Hochschulen eine Akkreditierung in ihrem Heimatland beantragen oder die Organisationen der Qualitätssicherung der beteiligten Länder einigen sich auf ein gemeinsam durchgeführtes Verfahren. Da es derzeit vollkommen unterschiedliche Modelle der Kooperation zwischen ausländischen und deutschen Hochschulen gibt (von integrierten Studienphasen im Ausland bis hin zu gemeinsam konzipierten Studienprogrammen), muss auch die Vorgehensweise bei der Akkreditierung im Einzelfall festgelegt werden.

Um den Hochschulen, die sich durch AQAS akkreditieren lassen, Verfahren anbieten zu können, die in jedem Fall internationalen Standards entsprechen, ist AQAS aktives Mitglied bei den beiden zentralen europäischen Vereinigungen:

 ENQA Logo

AQAS ist Vollmitglied der European Association for Quality Assurance (ENQA), der zentralen Dachorganisation für europäische Agenturen oder Einrichtungen der der Qualitätssicherung an Hochschulen. ENQA hat im Auftrag der Minister der Bologna-Staaten und in Zusammenarbeit mit EUA, ESIB und EURASHE die “European Standards and Guidelines” (ESG) entwickelt (Link zu Standards), die als Referenzrahmen im internationalen Kontext dienen können. Die ESG haben im Wesentlichen zwei Ziele: a) Die Qualitätssicherung im Europäischen Hochschulraum soll durch die Anwendung vereinbarter Standards und Leitlinien einheitlicher werden, b) Hochschulen und Qualitätssicherungsagenturen können auf gemeinsame Bezugspunkte für die Qualitätssicherung zurückgreifen. Gegenstand der ESG sind die interne Qualitätssicherung und die externe Qualitätssicherung der Hochschulen sowie die Qualitätssicherung der externen Agenturen.

 ECA Logo

AQAS ist Gründungsmitglied vom European Consortium for Accreditation (ECA), einem Zusammenschluss von europäischen Akkreditierungsagenturen. Die Mitglieder haben alle einem “Code of good practice” (Link zu Code) zugestimmt, der die Arbeit der Agenturen in einigen wesentlichen Punkten regelt, um durch gegenseitiges Vertrauen (“mutual trust”) die Anerkennung von Akkreditierungsentscheidungen zu erleichtern. Des Weiteren wurden im Rahmen der Arbeit von ECA “Principles for Accreditation Procedures regarding joint programmes” (2007) entwickelt.

Erfahrungen von AQAS

Derzeit befinden sich eine Reihe von Joint- oder Double-Degree-Studiengängen im Akkreditierungsverfahren. Folgende Projekte hat AQAS bereits im internationalen Rahmen erfolgreich abgeschlossen:

China Akkreditierung von Double-Degree-Studiengängen an der Chinesisch-Deutschen-Hochschule für Angewandte Wissenschaften der Tongji-Universität
Frankreich Akkreditierung von Double-Degree-Programmen an der Universität zu Köln und der Universität Paris I – Panthéon-Sorbonne (“Deutsch-Französischen Masterstudiengangs Rechtswissenschaft Köln / Paris 1″)
Akkreditierung von Double-Degree-Programmen an der Universität Bonn und der Universität Paris IV (Sorbonne): “B.A. Deutsch-Französische Studien” und “M.A. Deutsch-Französische Studien”
Irland Die Akkreditierung gemeinsamer Studiengänge (“Digital Media”, “Media Direction” der Hochschule Darmstadt und des Cork Institute of Technology, Irland in Kooperation mit dem irischen Higher Education and Training Awards Council (HETAC)
Italien Akkreditierung von Double-Degree-Programmen an der Universität Bonn und der Universität Florenz: “B.A. Deutsch-Italienische Studien” und “M.A. Deutsch-Italienische Studien”
Jordanien Akkreditierung eines Joint-Degree-Programms der Fachhochschule Köln und der University of Jordan (“Integrated Water Resource Management” M.Sc.)
Luxemburg und Liechtenstein Akkreditierungsverfahren an der Universität Luxemburg und in Liechtenstein
Österreich Akkreditierung eines Joint-Degree-Programms der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Graz (“Gender Studies” M.Arts)
Spanien Akkreditierung eines Erasmus-Mundus-Programms, das von Bochum in Zusammenarbeit mit mehreren europäischen Universitäten angeboten wird (Kooperation mit der spanischen Agentur ANECA)
Türkei Die Akkreditierung eines Joint-Degree-Programms der Universität zu Köln und der Istanbul Bilgi Universität (“Deutsch-Türkischer Masterstudiengang Rechtwissenschaft” LL.M.)

Eine Evaluation der nationalen Polizeiakademie des Kosovo im Auftrag der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Dabei wurden von einer international zusammengesetzten Gutachtergruppe strukturelle Aspekte analysiert und im Sinne einer Organisationsberatung Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Akademie gegeben.

In unseren Gremien sind ausländischen WissenschaftlerInnen vertreten. Bei der Zusammenstellung von Gutachtergruppen beziehen wir häufig ausländische GutachterInnen ein. Bei der Akkreditierung von internationalen Studienprogrammen ist dies die Regel.

Akkreditierungsverfahren an der Chinesisch-Deutschen-Hochschule für Angewandte Wissenschaften der Tongji-Universität

veröffentlicht am 5. März 2009 in Internationales

Wie akkreditiert man Studiengänge, die von einer chinesischen und einer deutschen Hochschulen in Zusammenarbeit angeboten werden? Diese Frage stellte sich der Chinesisch-Deutsche Hochschule für Angewandte Wissenschaften (CDHAW) in Shanghai ebenso wie der Akkreditierungsagentur AQAS, denn die Zertifizierung internationaler Studienprogramme ist noch längst keine Routine.

Gespräche mit Studierenden der CDHAW
Gespräche mit Studierenden der CDHAW

Die CDHAW ist ein kooperatives Projekt der Tongji-Universität und eines Konsortiums von inzwischen 17 deutschen Hochschulen1, das in der Aufbauphase durch das chinesische Ministry of Education (MoE) und das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Das Ziel der CDHAW ist es, chinesische Studierende praxisorientiert und mit einem eindeutigen Deutschlandbezug auszubilden. Eine besondere Herausforderung bei der Konzeption von drei Bachelor-Studiengängen lag also nicht nur in der binationalen Ausrichtung, sondern auch im Netzwerkcharakter des Gesamtprojekts auf deutscher Seite. Die Studiengänge sind dadurch gekennzeichnet, dass nicht einfach deutsche Studiengänge nach China exportiert wurden, sondern dass von chinesischen und deutschen Partnern ein neues Konzept erarbeitet wurde, das sowohl chinesischen Anforderung an die Ausbildung als auch deutschen Gepflogenheiten eines Studiums gerecht werden musste. Die drei Bachelorstudiengänge Fahrzeugtechnik, Mechatronik und Versorgungstechnik, für die die Akkreditierung beantragt wurde, werden bereits seit dem Wintersemester 2004/2005 von der CDHAW angeboten. Alle Studiengänge haben eine Regelstudienzeit von 8 Semestern, in denen insgesamt 240 Credits erworben werden. (Zur Struktur der Studiengängen s. Kurzberichte von AQAS).

Erläuterungen für Gutachter
Erläuterungen für Gutachter

Das Vorgehen beim Akkreditierungsverfahren an der CDHAW entsprach im Wesentlichen dem Vorgehen, das international üblich ist: 1) Die Hochschule erstellt einen Bericht, in dem die Ist-Situation beschrieben wird. 2) Eine externe Gutachtergruppe führt eine Vor-Ort-Begutachtung durch und verfasst anschließend ein Gutachten. 3) Auf Basis der Empfehlungen der Gutachter zur Optimierung der Studienprogramme findet ein Follow-up statt.

Die Aufgabe der von AQAS eingesetzten Gutachter bestand darin, die Einhaltung von allgemeinen Qualitätsanforderungen zu prüfen und die Einhaltung von Formalia, die von deutscher Seite verpflichtend sind. Darüber hinaus mussten sie natürlich eine fachlich-inhaltliche Begutachtung der drei Studienprogramme vornehmen. Bezüglich aller Aspekte kam die Gutachtergruppe am Ende des Begutachtungsprozesses an der CDHAW zu einem sehr positiven Ergebnis. Sie würdigte ausdrücklich, dass die Studienprogramme gemeinsam von chinesischen und deutschen Experten ausgearbeitet wurden und lobte das Profil der drei Studiengänge: “Alle Studiengänge haben eine klare Struktur und Zielstellung definiert. Die Zielstellungen, Kenntnisse und Fähigkeiten aus der Praxis zu vermitteln, sind klar erkennbar und spiegeln sich im gesamten Studienablauf wieder.” Die Gutachter zweifelten nicht daran, dass die Absolventen über attraktive Qualifikationsprofile verfügen und sich gut auf dem Arbeitsmarkt behaupten werden.

Laborbegehung mit Gutachtern und Lehrenden
Laborbegehung mit Gutachtern und Lehrenden

Die wesentliche Schlussfolgerung, die aus den Erfahrungen mit dem Akkreditierungsverfahren an der CDHAW ziehen lässt, ist, dass sich das Prozedere unproblematisch nach deutschem Muster durchführen ließ und zu einem erfolgreichen Abschluss führte. Es stellte sich heraus, dass alle wesentlichen Verfahrensschritte mit dem Ablauf, wie er in China praktiziert wird, vergleichbar sind. Zwangsläufig sind Akkreditierungsverfahren für internationale Studiengänge für die Hochschulen zeitaufwändig, weil der Abstimmungsbedarf hoch ist. Weitere Erfahrungen lassen sich wie folgt zusammenfassen: Ohne einen zentralen Koordinator von Seiten der Hochschulen, der als Vermittler zwischen allen Akteuren fungiert, ist der Prozess sehr schwierig. Für die Begutachtung der Hochschule sollte mehr Zeit als üblich eingeplant werden, um anderen Gesprächssituationen gerecht zu werden. Das zentrale Thema bei der Akkreditierung von internationalen Studiengängen ist der Umgang mit Heterogenität. Auch wenn jedes Land glaubt, bereits die höchsten Qualitätsanforderungen an ein Studium zu erfüllen, müssen alle Beteiligten akzeptieren, dass man auf verschiedenen Wegen zum Ziel kommen kann. Das, was bei internationalen Konferenzen zur Qualitätssicherung als “mutual trust”, also als gegenseitiges Vertrauen (in die Qualität) andersgearteter Akkreditierungsverfahren und Ausbildungssysteme theoretisch akzeptiert ist, muss sich im Verfahren praktisch beweisen – was nicht immer leicht fällt.

1FH Aachen, FHTW Berlin, FH Bingen, HS Bochum, FH Brandenburg, FH Braunschweig/Wolfenbüttel, FH Coburg, HS Esslingen, HS Erfurt, FH Ingolstadt, FH Jena, FH Kiel, FH Köln, HS München, FH Wiesbaden, HS Zittau/Görlitz, WSH Zwickau

Von links nach rechts: Herr Szygiol, Prof. Wu, Frau Herrmann, Prof. Bögle, Prof. Müller
Von links nach rechts: Herr Szygiol, Prof. Wu, Frau Herrmann, Prof. Bögle, Prof. Müller